Drucken

Wer es bis heute noch nicht glauben konnte, erfuhr es jetzt endlich aus der SonntagsZeitung vom 22.5.2011. Zum Glück sind uns wenigstens die Untersuchungen des Instituts für Natur- Landschafts- und Umweltschutz (NLU) der Universität Basel zu diversen Klettergebieten des Basler Jura wohlbekannt. Und wie es scheint forschen andere Unis auch nicht besser.

Es stimmt uns weiterhin bedenklich, wenn keine dieser Untersuchungen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nachvollziehbar ist, und auf entsprechendes Nachfragen um Klärung, systematisch abgeblockt wird.

So gibt es z.B. zum im Artikel erwähnten Klettergebiet "Gerstelfluh" keine Angaben über die untersuchten bekletterten, resp. nicht bekletterten Felsen. Dies ist aber entscheidend, denn gerade dort unterscheiden sich diese beiden Kategorien enorm. Es ist daher für jeden Kletterer nicht verwunderlich, dass in kompakten und festen Fels, wo auch geklettert wird, sich die Felsvegetation erheblich unterscheidet, zu Felsen die stark zergliedert, brüchig und darum nicht beklettert sind. So erstaunt auch die Aussage des Botaniker Vogler wenig, dass in stark bekletterten Gebieten die meisten Pflanzen am Felsfuss auftreten, denn in den kompakten Felsen weiter oben haben diese meist schlicht keine Habitatsmöglichkeiten! 

Dies ist keine "unnatürliche Verteilung" sondern logischerweise durch die Geomorphologie erklärbar. Auch die genetische Ähnlichkeit: An einem kompakten (bekletterten) Felsen findet eine Verbreitung der Arten auf ziemlich direktem Weg von oben nach unten statt (Gesetz des Newton). An nicht bekletterten (stark gegliederter) Felsen, bieten sich einer Art deutlich mehr Plätze zur Populationsbildung an, somit auch eine grössere Varianz die sich von oben nach unten deutlicher unterscheiden lässt. Interessant wäre in diesem Zusammenhang den Einfluss der Felshöhen zu kennen...

Eine ebenfalls vom NLU durchgeführte Vergleichsuntersuchung eines haufig bekletterten Felsens im Abstand von einigen Jahren (Falkenfluh Sektor Falkenspitz/Amboss), konnte der Kletterei keine konkreten Einflüsse nachweisen, sondern machte klimatische Phänomene auf Artenwechsel verantwortlich...

Um uns ein Bild über die konkrete Gefährdung der Felsenschnecken zu machen, versuchte sich die IG Klettern mit dem regionalen Schneckenspezialisten an einem "Tatort" zu verabreden. Aber chancenlos, unmöglich etwas zu verabreden...

Intressant auch die Feststellung von zig Tausend Jahren unberührter Felswände. Es muss gemäss Forst, dadurch kaum einen Vorteil für felsbewohnenden, Licht und Wärme liebenden Arten zu erkennen sein: Alles zugewuchert und von dichtem Wald und Gestrüpp überschattet. Nur so ist zu erklären, warum dieser jetzt mit grossem Aufwand eben genau diese sogenannten "nie genutzten Felsköpfe und Felsfüsse" ausholzt, nutzt und verändert...

Um die ganze Angelegenheit noch zu verkomplizieren erhalten unsere Felsen jährlich einen Stickstoffeintrag pro Hektar, der demjenigen entspricht, den die Landwirtschaft der Fünfzigerjahre zur Düngung auf die Felder verteilte...

Und zum Schluss: Kletterer putzt den Spitzwegerich von euren Schuhen wenn ihr ein Klettergebiet betretet!

Um Felsen und deren Biotope zu schützen braucht es nicht hetzerische Zeitungsartikel und einfach "kletterfreie Zonen", sondern Wissenschaftler die sich einer fairen Auseinandersetzung mit der Kletterei stellen.

→ 2011-05 SonntagSzeitung pdf